Jeans kaputt? Dann muß sie zum Jeans-Doktor!

Jeans-Doktor Tajana löst fast alle Ihre Jeansprobleme…

         

Im Atelier von Tajana Gali wird Kleidung repariert. Und zwar vor allem Jeans. Jeans haben das Zeug zum Lieblingsteil. Aber irgendwann erwischt es jede Jeans -die Bio-Jeans genauso wie die konventionell hergestellte- und sie fängt an, an irgendeiner Stelle kaputt zu gehen. Ursprünglich sind Jeans für ihre lange Haltbarkeit und ihren robusten Stoff bekannt. Doch die Jeansmode ist im Laufe der Jahrzehnte einem enormen Wandel unterlegen. Alle paar Jahre ändern sich Schnitte / Passform / Beinlänge / Höhe des Bundes / Beinweiten und ähnliches. Auch die Stoffe haben sich über die Jahrzehnte in ihrer Machart stark verändert. Irgendwann fängt es also irgendwo an: Risse, Löcher, Ausdünnungen, Taschen, Gürtelschlaufen, Säume… es gibt Stellen, an denen Jeans, die oft und gerne getragen werden nun mal einfach irgendwann nachgeben. Meist ist es ein heiß geliebtes Exemplar, bei dem im Laufe der Jahre irgendwo ein Riss entsteht. Nun kann man die Jeans entweder einfach weiter Tragen, bis es partout nicht mehr geht, oder man entsorgt sie schweren Herzens.
Und es gibt noch eine dritte Alternative. Und zwar die, dass man die Jeans repariert. Man kann natürlich selbst sein Glück versuchen uns kreativ werden. Doch zum Glück gibt es auch Profis. Im Fall der Jeans ist eine der ersten Anlaufstellen der Jeans-Doktor aus Waiblingen. Bzw. eigentlich ist es eine „Doktorin“, die sich mit ihrem Team um die Verletzten kümmert. In liebevoller Kleinarbeit werden sie wieder aufgepäppelt und flott gemacht. Tajana Gali und ihr Team haben auch schon einige fairjeans repariert. Die Reparatur beinhaltet eine fast echte Rekonstruktion des Materials – kein Vergleich mit einer Jeansreparatur von früher. Zum Einsatz kommt Nähgarn aus robustem Polyester Umspinnungszwirn (auf Anfrage auch Baumwolle) in einer breiten Farbauswahl, um so farbecht wie möglich zu arbeiten. Dadurch werden beste Reparatur-Ergebnisse erzielt und die Jeans sehen zwar nicht ganz wie neu, aber einfach wieder total gut aus.

Tajana hat sich für euch und uns von fairjeans die Zeit genommen ein paar Sachen, die wir schon immer mal wissen wollten genaustens zu erklären. Obwohl wir uns selbst zu den Jeans-Experten zählen konnten wir noch einiges dazu lernen. Dafür danken wir ganz herzlich der Jeans-Doktorin Tajana. Und laden euch ein, hier im fairjeans-Blog ihre Antworten auf unsere Fragen zu lesen.

 

FJ: Jeans-Doktor Tajana, als wir im Internet auf dich und dein Team aufmerksam geworden sind, fanden wir die Idee gleich genial. Denn Jeans professionell zu reparieren ist unserer Erfahrung nach gar nicht so einfach. Wie und wann hat denn alles angefangen mit dem Jeans-Doktor?

TG: Die Jeans-Reparatur war schon als Jugendliche mein Ding, noch lange bevor es mir in den Sinn kam, überhaupt Mode zu meinem Beruf zu machen. Mein Herz hing an geliebten Dingen und ich tat mich schwer, sie weg zu schmeißen. Vor allem die gut eingetragene, durch das Tragen natürlich gebleichte Lieblingsjeans. Risse in Oberschenkel und Knie fand ich sogar mit 14 schon cool, die Löcher im Schritt und abgerissene Gürtelschlaufen allerdings weniger. So fing ich an, Flicken auf zunähen. Als es 1988 zu meinem Beruf wurde, fing ich an nach einer anderen Möglichkeit der Reparatur zu suchen. Ich wollte keine aufgesetzten Flicken von außen mehr haben… das war der Anfang. Dilettantisch aber haltbar. Während meines Praktikums in der Näherei einer Punk-Mode-Firma, wurden alte Jeans aufgekauft und mit Schotten- oder Leostoff aufgestylt. Später als ich mich selbstständig machte, waren es zuerst Freunde, dann Stammkunden, die die Reparatur-Dienste in Anspruch nahmen, allen voran mein Partner und heutiger Mann, der ausschließlich Jeans trägt. Mit der Zeit reifte unsere Reparatur-Methode soweit, dass die reparierten Stellen „unsichtbar“ wurden.
Bei einer Fernsehsendung über New York die ich mir zufällig ansah, schwenkte die Kamera ins Denim Repairstudio von Denim Therapy und ich traute meinen Augen nicht. Die kurze Sequenz reichte, um zu sehen, dass es da jemanden gab, der so arbeitete wie wir… Also gabs noch etwas Recherche unsererseits, wir haben die Web-Seite beauftragt und der Jeans-Doktor was born in 2012.

 

FJ: Welche Reparaturen führt ihr hauptsächlich aus und wo liegen deiner Meinung nach die Schwachstellen bei der Herstellung von Jeans bzw. im Stoff?

TG: Die Schwachstellen sind immer die Stellen, die am meisten beansprucht werden, wo es Reibung gibt und wo „Zug“ drauf ist. Die häufigste Reparatur ist die im Schritt, zwischen den Schenkeln und an den Knien. Danach sind es abgerissene Gürtelschlaufen und Gesäßtaschenecken. Wohlgemerkt hat das nichts mit der Figur zu tun. Viele Frauen denken, es liegt daran, dass sie zu dick wären. Nein, wir bekommen kleine Größen, die an denselben Schwachstellen leiden. Okay die Gürtelschlaufe geht schon mal zu Bruch, wenn man eine enge Jeans hochzieht. Aber eine gutsitzende Jeans darf auch knackig eng sein 😉.

Ich erinnere mich, dass die Jeans, bei fast täglichem Tragen nach einem Jahr zu Bruch ging. Heute ist das ein Traum. Meiner Meinung nach liegt es zum einen am Anteil der elastischen Fäden. Die sind einfach nicht so robust.

Zum anderen liegt es an der Gewinnmaximierung, die in den Hersteller-Betrieben angestrebt wird. Es gibt Studien, die bei mikroskopischer Untersuchung zeigen, das Restfasern vom Baumwollgarn wieder zusammengeklebt wurden, um damit neuen Stoff zu webe. Zudem wird beim Nähen oft schlechtes Nadelmaterial verwendet, das merken auch wir schon beim Einkauf von Nadeln. Wir müssen häufiger die Nadeln wechseln oder sie brechen uns ab. Ist eine Nadel stumpf, verletzt sie das Gewebe. Das merkst du dann eventuell erst nach ein paar Wäschen und die Stelle reißt, obwohl das Material sonst noch top ist.

         

 

FJ: Bei uns wird immer wieder nach Jeans nach Maß gefragt. Habt ihr auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, Jeans-Maßanfertigungen anzubieten?  Warum ja, bzw. warum nicht?

TG: Klar, als Kreative haben wir das natürlich schon durchgespielt und hatten auch schon ein paarmal Jeans in der Kollektion. Bei abgefahrenen Jeans-Stoffen wie hier https://www.jeans-doktor.de/designer-jeans-modelle/trendige-jeansmode/ , konnten wir nicht widerstehen. Die Teile waren allerdings nicht so verarbeitet, wie eine original Blue Jeans, da wir die Spezialmaschinen dafür nicht haben und der Preis lag ohne diese Maschinen schon im Couture Bereich.  Für eine professionelle Maßanfertigung hätten wir uns anders aufstellen müssen, damit wir preislich im Rahmen bleiben. Da ich mich 2004 verkleinert habe, back to the roots, wollte ich nicht noch eine andere Sparte eröffnen.

 

FJ: Welche Arbeiten bei der Jeansreparatur machen am meisten Spaß und was ist die kniffligste Arbeit / Stelle?

TG: Spaß machts, wenn die Herausforderung da ist so „unsichtbar“ wie möglich zu arbeiten. Ich bezeichne es immer als Malerei. Man muss mit verschiedenen Farben schraffieren, um das beste Ergebnis zu erzielen. Auch eine Jeans im Used-Look wieder herzustellen und vielleicht noch eigene Kreativität einzubringen, macht Laune. Knifflig ist es, wenn ganze Vorderteile unterlegt werden müssen, und wenn zudem der Stretchanteil sehr hoch ist. Da gehört schon ein gewisses Know-How und viel Übung dazu. Das kann auch bei uns nicht jede, mich selbst eingeschlossen. Dafür habe ich meine Spezialistin.

 

FJ: Die löchrigen Stellen werden ja mit einer 2. Stoffschicht unterlegt. Welches Material wird dazu verwendet?

TG: Weit gefehlt zu denken, dass wir das alles aus Resten alter Jeans machen können. Wir brauchen oft große Flächen und somit sind wir auf Meterware angewiesen, Baumwolle, aber auch Polyester. Das ist langfristig gesehen auch nachhaltig, da langlebig und strapazierfähiger. Ab und zu bedienen wir uns aber auch aus unserem Jeans-Ersatzteilelager. Genauso ist es mit dem Nähgarn. Kunden äußern oft den Wunsch nach Baumwollgarn. Zu 98 % wird aber mit synthetischem Garn repariert. Wir waren lange hin und her gerissen, da wir selbst ja auch eine Öko Kollektion haben. Wir haben für uns beschlossen, dass wir es als nachhaltiger ansehen, wenn wir langlebiges produzieren. Außerdem gehören unsere Kunden nicht der Wegwerfgesellschaft an, somit passt das gut zusammen und es schließt sich der Kreis.

 

FJ: Jeans unterliegen immer wieder Moden. Uns ist aufgefallen, dass der Stretchanteil im Denim immer höher wird. Unsere Kunden klagen manchmal darüber und auch, dass das Stretchmaterial oft ausleiert und Jeans generell nicht mehr so lange halten „wie früher“. Ist das auch deine Wahrnehmung und wie erklärt ihr euch das?

TG:  Wie schon gesagt liegt es zum einen am Anteil der elastischen Fäden. Die sind einfach nicht so robust. Hinzu kommt, dass man Jeans mit Elasthananteil nicht, wie gewohnt, sehr heiß waschen darf und schon gar nicht in den Trockner schmeißen darf, denn die Fäden schmelzen sonst und werden immer poröser.

Zum anderen, wie ich vorher schon erwähnt habe, liegt es an der Qualität des Rohmaterials und der Arbeitsmittel wie zum Beispiel der Nähnadeln. „Früher“ war die Qualität einfach besser, da nicht so stark auf die Gewinnmaximierung geschaut wurde.

 

FJ: Welches sind die beliebtesten Marken, die bei euch zur Reparatur eingeschickt werden?

TG: Die Liste ist lang und es sind bei weitem nicht nur die sehr hochpreisigen Jeans wie True Religion, Armani, Pierre Cardin oder Boss. Eigentlich sind es die gängigsten Marken, wie z.B. Seven for all Mankind, Levis, Diesel, Esprit, Herrlicher, LTB, Jack & Jones, Carhartt, Timezone, Closed. Und sogar die recht günstigen Jeans von Cecil, Only oder Zero finden den Weg zu uns. Manchmal ist die Reparatur teurer, als es die Hose selbst war, aber wo die Liebe hinfällt…
Auch fairjeans, Hessnatur und sogar die Blaumänner gehören mittlerweile zu unseren Patienten.

 

FJ: Wisst Ihr, wer hauptsächlich auf euer Angebot der Jeans-Reparatur zurückgreift? Habt ihr eine spezielle „Zielgruppe“?

TG: Unsere Kundschaft ist bunt gemischt. Wir wurden am Anfang, (wird nun seltener) beliebäugelt und mit einem Schmunzeln abgetan, so nach dem Motto, wer denn so blöd oder understated wäre, sich seine Jeans reparieren zu lassen, anstatt sich einfach eine neue zu kaufen. Da hat sich die Einstellung vieler Verbraucher zum Glück stark gewandelt.

Von der Hausfrau über den Gärtner zum Lehrer bis hin zum Arzt und Uni Professor ist bei unseren Kunden alles dabei. Ich mochte das Zielgruppendenken, wie es sich etabliert hat, eh noch nie. Das ist für mich wie Schubladendenken. Auch das ist das Tolle an den Jeansliebhabern: sie sind sehr breit gefächert, fast jeder liebt und trägt Jeans. Wenn man es in Zielgruppen ausdrücken möchte, umfasst die Jeans generell wahrscheinlich die breiteste Zielgruppe der Welt.

 

FJ: Wir von fairjeans hören immer wieder, dass die Jeans früher haltbarer waren. Da macht es auch keinen Unterschied ob Bio- oder konventionelle Jeans, fair oder konventionell hergestellt. Ist das auch eure Wahrnehmung? Welche Art Jeans wird denn am häufigsten bei euch eingeschickt?

TG: Ganz klar waren Jeans früher haltbarer. Allerdings war das material auch ein ganz anderes. Da wurde die Jeans nach einem Jahr erst mit den richtigen Gebrauchsspuren zu dem, was sie war. Heute möchte man alles schnell und sofort. Dafür werden sie heute gebleicht, geätzt, mit Steinen, Chemikalien und sonstigen Mittel bearbeitet, was auf Kosten der Haltbarkeit geht. Zudem soll es bequem sein, da kommt der elastische Anteil (siehe oben) sehr gelegen. Dadurch haben wir, die Doktoren, zwar mehr Arbeit, die hätten wir aber auch wenn die Qualität besser wäre, denke ich, bloß etwas später. Die Jeans hätten ihren angemessenen, fairen Verkaufspreis und somit würden wieder mehr Menschen eine Reparatur in Erwägung ziehen.

 

FJ: Ihr bietet ja auch eine Komplettreparatur für den Pauschalpreis von 100€ an. Das ist doch sicher sehr aufwändig. Wie oft kommt es denn vor, dass sich Kunden so etwas leisten? Ist das eher die Ausnahme, oder wünschen Kunden so etwas häufiger?

TG: 100 €, wie im Fernsehbeitrag von 2013, das war einmal. Da haben wir uns sehr verkalkuliert. Für so eine Komplettrestauration sitzen wir zum Teil 6-7 Stunden an der Hose. Das würden nicht viele bezahlen wollen und es sich leisten können schon gar nicht. Der Höchstsatz liegt so bei 180-200 Euro was einige Kunden schon mal bereit sind, auf einmal auszugeben. Wenn wir allerdings nur solche Patienten bekämen, würde es sich nicht rechnen und so wären wir wohl nicht überlebensfähig. Es ist mehr eine Dienstliebhaberleistung…

 

FJ: Wie viele Pakete bearbeitet ihr am Tag / Im Monat / in der Woche?

TG: Das ist schwer zu sagen, mal so, mal so. Da kommen plötzlich 30 Hosen die Woche, in der darauffolgenden nur Zwei…insgesamt liegen wir bei so ca. 1000 Patienten im Jahr.

 

FJ: Welches ist die Stelle, an der die Jeans normalerweise am ehesten kaputt geht?

TG: Schritt, Oberschenkelinnennaht, Gürtelschlaufen, Gesäßtaschen.

 

FJ: Was könnte man eurer Meinung nach schon bei der Herstellung der Jeans beachten, damit das an dieser / diesen Stellen nicht so schnell passiert?

TG: Im Schritt sehe ich Probleme, wer will schon von Beginn an hier eine „Verdoppelung“. Die Oberschenkelinnennaht, die Gürtelschlaufen und Gesäßtaschen zu verstärken ist schon eine Option, das machen einige Labels bei den zwei Letzteren auch schon. Ansonsten sollte in der Herstellung sehr auf die Qualität des Materials und gutes Werkzeug (Nadeln) geachtet werden.

 

FJ: Wenn einer Jeans von euch repariert wurde, wie lange hält sie dann in der Regel bis zur nächsten Reparatur?

TG: Hm, da können wir nur von dem ausgehen was uns bekannt ist. Zudem kommt es darauf an, wie oft die Hose natürlich getragen wird. Wir geben keine fixe Garantie, sind aber sehr kulant was das betrifft. Einen exakten Zeitraum zu nennen ist schwer. Wenn nach unserer Empfehlung repariert wurde, dürfte mindestens ein Jahr lang Ruhe sein. In der Regel sind es durchaus drei bis vier Jahre bei köpergewebten Denims. Wir haben im Moment einen Patienten da, der war vor acht Jahren das letzte Mal bei uns und ist jetzt um die alte Schrittreparatur ausgedünnt… Bei Stretchhosen sieht es da aber schon wieder ganz anders aus…

 

FJ: Gibt es eine Jeans, die ihr schon öfter zur Reparatur eingeschickt bekommen habt und wenn ja, wie oft wurde sie schon zu euch zur Reparatur gebracht und wie alt ist sie?

TG: Oh ja…die eine, die bei uns als Deko am Fenster hängt, war glaube ich mindestens 10 mal da, bis sie so schwer wurde, dass sie rutschte. Da wurde sie nochmal enger gemacht und dann als Geschenk an uns übergeben. Die wurde im Used-Look gestaltet und damals noch mit gebrauchten Jeans unterlegt.

Dann haben wir noch eine Patientin von einer Dame, die war noch Studentin, als sie das erste Mal bei uns war. Sie kommt seither regelmäßig. Mittlerweile ist die ganze Hose komplett unterlegt und die Dame steht fest im Berufsleben. Ich müsste es anhand der Flicken beurteilen können, wie oft sie da war. Bestimmt auch 10 mal, oder sogar öfters und ich glaube das war gleich zu Beginn, als wir mit dem Beitrag im SAT 1 Frühstücksfernsehen 2013 bekannt wurden.


Vielen Dank Tajana für deine ausführlichen Antworten. Man merkt gleich, du bist vom Fach und kennst dich mit Jeans und wie sie gemacht sind, wahnsinnig gut aus!

Auf der Website vom Jeansdoktor findet ihr eine große Präsentation von Vorher-nachher-Bildern. Genauso auf Instagram https://www.instagram.com/jeansdoktor/.

Wenn ihr noch mehr über den Jeans-Doktor erfahren möchtet oder selbst mal eine Jeans-Reparatur in Auftrag geben möchtet, hier geht’s direkt zum Doktor: https://www.jeans-doktor.de/