31. Januar 2020
Was unterscheidet eine Bio-Jeans?
Immer mehr Menschen achten auch bei Kleidung darauf, wie sie hergestellt wird. Am Beispiel einer Bio Jeans erfahren Sie hier, was Bio Mode von konventioneller Mode unterscheidet und welche Unterschiede es in der Produktionskette gibt.
Bio-Jeans im Trend
Bis vor kurzem war es noch eine überschaubare Gruppe von achtsamen Kunden, die nicht nur Bio Lebensmittel kauften, sondern auch bei der Wahl der Bekleidung ethische Textilien bevorzugten. Nun wächst die Nachfrage nach Bio Kleidung kontinuierlich. Viele Brands haben bereits T-Shirts aus Organic Cotton in ihr Standard-Sortiment aufgenommen. Die Produktion von GOTS zertifizierten Jeans aus k.b.A. Baumwolle jedoch ist so komplex, dass nur wenige Hersteller sich damit bisher beschäftigten. Alles beginnt zunächst mit dem Rohstoff, der Bio Baumwolle, auch Organic Cotton genannt.
Organic Cotton, der Rohstoff für Bio Mode
Bereits der Anbau von Bio-Baumwolle unterscheidet sich deutlich von dem konventionellen Anbau der Baumwollpflanze. Es beginnt schon bei den winzigen Samenkörnern. Das Saatgut für nach GOTS zertifizierte Bio-Baumwolle darf nicht durch Gentechnik manipuliert sein.
Beim Anbau von Organic Cotton sind synthetische Pestizide und synthetische Dünger nicht erlaubt. Das entlastet die Bauern und ihre Familien, die auf den Feldern arbeiten. Biologische Dünger und ein abwechslungsreicher Fruchtwechsel halten die Böden nährstoffreich. Bio-Baumwolle wird häufig von Hand gepflückt. Chemische Entlaubungsmittel, wie sie bei der maschinellen Ernte konventioneller Baumwolle üblich sind, sind im Bio-Anbau nicht erlaubt.
Dennoch ist Bio-Baumwolle bislang nur ein kleiner Teil der weltweit angebauten Baumwolle. Wenn also plötzlich alle Konsumenten der Welt nur noch Baumwollprodukte aus Bio-Anbau kaufen würden, könnte momentan die Nachfrage nicht gestillt werden. Langfristig würde es aber eine komplette Umstellung von pestizidintensiv zu ökologisch bedeuten.
Was den Bio-Anbau unterscheidet – im Überblick:
- Keine synthetischen Pestizide und Dünger
- Fruchtwechsel und organische Düngung
- Anbau ohne Gentechnik
- Geringere Belastung der Bauern durch Pestizide
- Häufig handgepflückt
- Baumwolle braucht viel Wasser, auch Bio-Baumwolle. Wie viel, hängt stark vom Anbaugebiet und der Bewässerung ab.
GOTS: Kriterien für die Verarbeitung
Unabhängige und anerkannte Zertifizierungsstellen wie GOTS sorgen dafür, den Prozess in der Weiterverarbeitung der Bio Baumwolle transparent zu machen. Sie setzen Richtlinien mit Umwelt- und Sozialkriterien für die Produktion von Bio-Kleidung und führen Kontrollen durch, angefangen von der Rohware über die Fertigung bis zum Endprodukt. Das geschützte Bio (Organic) Zeichen dürfen nur Produkte tragen, die mindestens 95 Prozent Bio Baumwolle enthalten. In der Verarbeitung der Rohbaumwolle zu Garnen und Stoffen dürfen nur Chemikalien eingesetzt werden, die die GOTS-Anforderungen erfüllen. Verboten sind unter anderem Chlorbleiche und bestimmte bedenkliche Farbstoffe. Weiterhin wird von den Produktionsstätten ein Umwelt- und Abwassermanagement erwartet. Das GOTS Siegel enthält auch soziale Kriterien. Keine Kinderarbeit, Mindestlöhne, geregelte Arbeitszeiten, eine sichere Arbeitsumgebung und Versammlungsfreiheit gehören zu den Anforderungen, die durch regelmäßige Kontrollbesuche überprüft werden.
Übrigens können Sie jederzeit anhand der auf dem Label abgedruckten Zertifizierungsnummer die Gültigkeit des Zertifikats überprüfen. Geben Sie einfach die Daten in der öffentlichen GOTS Datenbank ein.
So entsteht eine Bio-Jeans
Die Produktion von Jeans ist viel komplexer als die von T-Shirts. Zunächst werden viel mehr Arbeitsschritte beim Zuschneiden und Nähen einer Jeanshose benötigt. Ohne Kappnähte, Taschen, Reißverschlüsse und Nieten ist eine Jeans nicht vollständig. Damit aus dem "rohen" Denim eine attraktiv ausgewaschene Jeans wird, sind aufwendige Waschprozesse nötig.
Konventionelle Jeansproduzenten verwenden Chemikalien und Sandstrahl-Techniken, um der Hose den beliebten Used-Look zu verleihen. Jeder, der einmal zu Hause versucht hat, mit Chlorbleiche Textilien zu entfärben, kann sich gut vorstellen, wovon hier die Rede ist. Der GOTS verbietet Sandstrahlen und Chlorbleiche. Ist die rohe Jeans mit den gewünschten Effekten versehen, wird sie in großen Waschtrommeln auf den gewünschten Farbton ausgewaschen. In der konventionellen Industrie werden für den used-Look und Stone-Washed-Effekt tatsächlich Steine verwendet und zusätzlich Bleichmittel hinzugefügt, um die Zeit des Waschvorgangs zu verkürzen. Bei GOTS-zertifizierten Jeans ist Chlorbleiche verboten, gebleicht wird auf Sauerstoffbasis. Auch in der Produktion von Bio-Denim entstehen Abwässer, die mit Indigo-Farbstoffen und Steinabrieb versetzt sind. GOTS überprüft in jedem Betrieb, dass es eine funktionierende Kläranlage und ein ausreichendes Abwasser-Management gibt, damit diese Abwässer nicht ungeklärt direkt in den nächsten Fluss abgeleitet werden.
Verpackung und Transport
Bevor nun die Jeans das Lager des Produzenten verlassen, müssen sie getrocknet, gebügelt, etikettiert und verpackt werden. Um das GOTS Zertifikat zu erhalten, sind auch bei der Verpackung strenge Regeln einzuhalten. Nun beginnt der Transport der Ware an den Bestimmungsort. Der ökologische Fussabdruck eines Produktes hängt wesentlich davon ab, wie die Transportwege sind und welche Menge an Co2 dabei anfällt. Jeans aus China haben einen längeren und weiteren Transportweg nach Deutschland, als Jeans aus der Türkei oder Nordafrika, die innerhalb weniger Tage mit dem LKW transportiert werden können. Auch die Distribution macht etwas aus. So wird die fairjeans direkt nach Deutschland geliefert, ohne Umwege über Zwischenlager in anderen Ländern.
Was eine Bio-Jeans leisten kann – und was nicht
Bio-Baumwolle wird ohne synthetische Pestizide, synthetische Dünger und Gentechnik angebaut, und die GOTS-Zertifizierung legt Umwelt- und Sozialkriterien für die Weiterverarbeitung fest. Dennoch braucht auch Bio-Baumwolle viel Wasser, und auch in der Verarbeitung wird Wasser verbraucht. Wichtig sind außerdem die Transportwege. Es lohnt sich also, das Herkunftsland einer Jeans zu hinterfragen.
Tipps für verantwortungsvollen Kleidungskauf
Wer seinen Mode-Konsum achtsamer gestalten möchte, sollte auf anerkannte Bio-Labels und Zertifikate wie zum Beispiel GOTS setzen. Dazu gehört aber auch, nicht jeden Trend unbedingt mitzumachen. Mode mit Verfallsdatum landet schnell im Müll. Vermeiden Sie spontane Fehlkäufe und investieren Sie besser in langlebige und qualitativ hochwertige Kleidung wie Basic-Jeans, die nicht in der nächsten Saison schon wieder unmodern werden.
Wenn Sie Ihre Jeans dazu nicht zu häufig und bei möglichst geringen Temperaturen waschen und sie bei Verschleiß reparieren, hält sie länger.